Exkurs: Die Zeitalter im Heilsplan Gottes

 

1. Die Lehre von den verschiedenen Zeitaltern (Dispensationalismus)

Die Lehre von den verschiedenen Zeitaltern in der Offenbarung Gottes ist von entscheidender Wichtigkeit. Sie bestimmt nicht nur die Art und Weise, wie wir die Heilige Schrift lesen und auslegen, sondern sie bestimmt auch unseren Alltag. Von Spurgeon stammt das Zitat: "Werde dir über die Heilszeiten in der Schrift im klaren und du verstehst die Schrift".

 

a) Biblische Grundlage

Das NT benutzt den griechischen Begriff "oikonomia", der mit "Haushaltung", "Verwaltung", "Dispensation" oder "Zeitalter" wiedergegeben werden kann.

Eph 3,2+9 "ihr habt doch wohl von der Verwaltung der Gnade Gottes gehört, die mir im Hinblick auf euch gegeben ist. [...] und ans Licht zu bringen, was die Verwaltung des Geheimnisses sei, das von den Zeitaltern her in Gott, der alle Dinge geschaffen hat, verborgen war." (EÜ)

Paulus beschreibt das neue "Zeitalter" (die neue "Verwaltung"), das durch die Eingliederung der Heiden in den Leib Christi und als Miterben der Verheißung gekennzeichnet ist. Neben diesen zwei verschiedenen Zeitaltern kennt er im Epheserbrief noch ein drittes, zukünftiges Zeitalter:

Eph 1,9-10 "Er hat uns ja das Geheimnis seines Willens kundgetan nach seinem Wohlgefallen, das er sich vorgenommen hat in sich selbst für die Verwaltung bei der Erfüllung der Zeiten: alles zusammenzufassen in dem Christus, das, was in den Himmeln, und das, was auf der Erde ist, - in ihm." (EÜ)

Auch andere Verse, in denen der Begriff "oikonomia" nicht direkt vorkommt, beschreiben verschiedene Zeitalter.

Joh 1,17 "Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden."
Röm 6,14 "Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch, weil ihr ja nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade."
Gal 3,25 "Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister."

 

ANREGUNG:

Gleich mehrmals wird der Begriff "oikonomia" im Gleichnis "vom unehrlichen Verwalter" (Lk 16,1-9) gebraucht. Im Studium dieses Abschnittes erkennen wir vier Merkmale einer "Verwaltung"

 

b) Definition

Allgemein läßt sich formulieren, daß eine Dispensation (Verwaltung, Haushaltung, Zeitalter) ein Zeitabschnitt der Geschichte ist, in dem Gott mit dem Menschen auf eine bestimmte Weise handelt. Gott offenbarte sich zu verschiedenen Zeiten auf verschiedene Weise (=fortlaufende Offenbarung).

Ein Dispensationalist ist also eine Person, die anerkennt, daß Gott durch die verschiedenen Zeitalter unterschiedlich mit dem Menschen gehandelt hat.

 

ANREGUNGEN:

 

2. Die verschiedenen Zeitalter im Überblick

In wie viele Zeitalter man die (Heils-)Geschichte Gottes mit der Menschheit einteilen will, ist weniger wichtig als die Tatsache, daß es verschiedene Zeitalter gibt. Diese Zeitalter müssen sich natürlich nicht immer gänzlich voneinander unterscheiden. So ist z.B. durch alle Zeitalter hindurch der "Glaube" (Hebr 11,6) zur Gerechtigkeit des Menschen gerechnet worden. Einige Dispensationen bauen auch direkt auf den vorhergegangen auf. So bilden sie nicht völlig in sich abgeschlossene Zeitalter, die isoliert für sich stehen, sondern im Rahmen der fortlaufenden Offenbarung werden vorhergegangene Zeitalter erweitert und verändert.

 

ANREGUNGEN:

 

a) Zeitalter der Unschuld

Das Zeitalter der Unschuld umfaßt die Zeit von der Erschaffung des Menschen bis zum Sündenfall Adams (1.Mose 1,28 - 3,6). In diesem Zeitalter im Garten Eden handelt Gott mit der gesamten Menschheit, die in einer vollkommenen Umgebung lebt.

Das Zeitalter der Unschuld endet im Ungehorsam des Menschen - und in der dafür verheißenen Katastrophe!

 

ANREGUNG:

 

b) Zeitalter des Gewissens

Wieder handelt Gott mit der gesamten Menschheit. Er überläßt sie der Tätigkeit ihres Gewissens.

1.Mose 3,22a "Und Gott der Herr sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist."
1.Mose 4,7 "Ist's nicht also? Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie."

Das Gewissen reicht nicht aus, den Menschen zu veranlassen, bei Gott Erlösung zu suchen. Es ist nicht die letzte Instanz, sondern weist lediglich auf Gott hin. Wieder versagt der Mensch in der Verantwortung Gott gegenüber.

1.Mose 6,5-6 "Als aber der Herr sah, daß der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, da reute es ihn, daß er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen."

So findet auch das zweite Zeitalter im Gericht - der Sintflut - ein katastrophales Ende. Doch Gott hält Seine Verheißung und rettet Noah und seine Familie durch die Flut hindurch.

 

c) Zeitalter der Herrschaft

Zum dritten Mal gibt Gott der gesamten Menschheit einen Auftrag. Als Noah die Arche verläßt und Gott Seinen Bund mit ihm aufrichtet, befiehlt ihm Gott, eine menschliche Regierung einzurichten und die Erde zu bevölkern (1.Mose 9,1-7). Noah und seine Nachkommen waren verantwortlich, in Gerechtigkeit zu regieren. Doch einmal mehr sind die Menschen Gott ungehorsam.

1.Mose 11,4 "und sprachen: Wohlauf, laßt uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder."

So endet auch das Zeitalter der Herrschaft im Gericht Gottes - in der Katastrophe der Sprachenverwirrung.

1.Mose 11,7-8 "Wohlauf, laßt uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, daß keiner des andern Sprache verstehe! So zerstreute sie der Herr von dort in alle Länder, daß sie aufhören mußten, die Stadt zu bauen!"

 

d) Zeitalter der Verheißung

Bisher handelte Gott immer mit der gesamten Menschheit. Dreimal hatten die Menschen gegen Gott gesündigt, dreimal hatte Gott Gericht gehalten, und dreimal gab Er der Menschheit nach dem Gericht eine Verheißung. Hatte Gott bisher immer mit der gesamten Menschheit gehandelt, so trifft Er jetzt zu Beginn der vierten Heilszeit eine Auswahl.

Gott beruft Abram (Apg 7,2-3; 1.Mose 12,1; Jos 24,2). Ihm werden gewaltige Verheißungen zuteil:

1.Mose 12,2-3+7 "Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. [...] Da erschien der Herr dem Abram und sprach: Deinen Nachkommen will ich dies Land geben. Und er baute dort einen Altar dem Herrn, der ihm erschienen war."

 

Wurde auch die Landverheißung an die Nachkommen Abrahams - Volk Israel - zum Teil erfüllt, so verwirklicht Gott die volle Verheißung erst in der Zukunft. Allerdings erlebt die Gemeinde eine Vorerfüllung. Daher konnte das Zeitalter der Verheißung nicht durch eine Katastrophe zu Ende gehen.

Gal 3,19 "Was soll denn das Gesetz? Es ist hinzugekommen um der Sünden willen, bis der Nachkomme da sei, dem die Verheißung gilt, und zwar ist es von Engeln verordnet durch die Hand eines Mittlers."

 

e) Zeitalter des Gesetzes

Auch im Zeitalter des Gesetzes handelt Gott nur mit einer Auswahl aus den Menschen. Das Volk Israel wird auserwählt zum Bündnis mit Gott. Nachdem Gott das gefangene Volk aus Ägypten befreit hat, gibt Er ihm am Sinai Sein Gesetz. Dieser Bund zwischen Gott und dem Volk Israel war an Werke gebunden. Doch Israel hielt ihn nicht.

Jer 31,32 "nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloß, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der Herr;"

Im Zeitalter des Gesetzes zeigt Gott dem Menschen seinen sündigen Zustand.

Röm 3,20 "weil kein Mensch durch die Werke des Gesetzes vor ihm gerecht sein kann. Denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde."
Röm 7,7-8 "Was sollen wir denn nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde erkannte ich nicht außer durchs Gesetz. Denn ich wußte nichts von der Begierde, wenn das Gesetz nicht gesagt hätte: 'Du sollst nicht begehren!' Die Sünde aber nahm das Gebot zum Anlaß und erregte in mir Begierden aller Art; denn ohne das Gesetz war die Sünde tot."
Röm 7,17 "So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt."

Das Urteil über dem Gesetzesbruch war der Tod:

Gal 3,10 "Denn die aus den Werken des Gesetzes leben, die sind unter dem Fluch. Denn es steht geschrieben: 'Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, daß er's tue!'"
Röm 8,7 "Denn fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott, weil das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag's auch nicht."
Röm 7,10 "ich aber starb. Und so fand sich's, daß das Gebot mir den Tod brachte, das doch zum Leben gegeben war."

So wurde die Menschheit auf das Kommen des Sohnes Gottes vorbereitet. In die ausweglose Situation unter dem Gesetz kommt Jesus Christus - ein Jude unter dem Gesetz.

Gal 4,4 "Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan,"
Röm 8,3 "Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott: er sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch,"

Jesus Christus erfüllte das Gesetz.

Mt 5,17 "Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen bin, daß Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen."
Röm 10,4 "Denn Christus ist des Gesetzes Ende; wer an ihn glaubt, der ist gerecht."

Das Zeitalter des Gesetzes endet mit der größten Katastrophe - der Kreuzigung Jesu Christi. Hier entlädt sich der Zorn Gottes über Seinen Sohn, der die Sünde der Welt auf sich nimmt. Er muß sterben, denn so fordert es Gottes Gesetz. Das Gesetz genügte nicht, den Menschen zu erlösen.

 

ANREGUNGEN:

 

f) Zeitalter der Gnade

Nachdem im Zeitalter des Gesetzes der Mensch erkennen mußte, daß er nichts tun kann, offenbart Gott im Zeitalter der Gnade, daß der Mensch nichts tun muß - Gott hat ja bereits alles Notwendige in Christus erfüllt. Das Zeitalter der Gnade (oder auch das "Zeitalter der Gemeinde" genannt) ist die Fortsetzung des Zeitalters der Verheißung (s. Gal 3,7-19). Daher beschränkt sich Gottes Handeln auch nicht auf eine Auswahl von Menschen. Das Angebot der Gnade gilt allen Menschen.

Tit 2,11 "Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen."

Gott hat dem Menschen genügend bewiesen, daß

nicht genügen, um sich zu erlösen. Die Erlösung des Menschen kann nicht von ihm kommen, sie muß von außen kommen. Sie muß geschenkt werden - sie muß aus Gnaden sein.

Eph 2,8 "Denn aus Gnaden seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es,"
Röm 3,24 "und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist."
Tit 3,4-5 "Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilandes, machte er uns selig - nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit - durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist."

 

ANREGUNG:

 

Das Zeitalter der Gnade kann nicht mit einer Katastrophe zu Ende gehen für die, die in diesen Gnadenbund durch den Glauben eingetreten sind. So finden wir eine Vollendung dieses Zeitalters in der ersten Auferstehung bzw. Entrückung der Gemeinde.

Für diejenigen allerdings, die nicht glauben, d.h. diesen von Gott bereitgestellten, bedingungslosen Bund nicht annehmen, endet das Zeitalter der Gnade in der gewaltigen Katastrophe der großen Trübsal.

Offb 6,17 "Denn es ist gekommen der große Tag ihres Zorns, und wer kann bestehen?"

Nun geht die Geschichte Gottes mit Seinem Volk Israel weiter.

Jer 30,7 "Wehe, es ist ein gewaltiger Tag, und seinesgleichen ist nicht gewesen, und es ist eine Zeit der Angst für Jakob; doch soll ihm daraus geholfen werden."
Röm 11,25 "Ich will euch, liebe Brüder, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist;"

 

g) Zeitalter des Tausendjährigen Reiches

Im Zeitalter des Tausendjährigen Reiches erfüllen sich die Heilsprophetien für Israel. Als König auf dem Thron Davids regiert Christus von Jerusalem aus die Welt mit eisernem Zepter.

Offb 12,5 "Und sie gebar einen Sohn, einen Knaben, der alle Völker weiden sollte mit eisernem Stabe. Und ihr Kind wurde entrückt zu Gott und seinem Thron."

Nun wird die bekehrte Nation Israel die Völker der Erde missionieren.

Jes 66,19 "und ich will ein Zeichen unter ihnen aufrichten und einige von ihnen, die errettet sind, zu den Völkern senden, nach Tarsis, nach Put und Lud, nach Meschech und Rosch, nach Tubal und Jawan und zu den fernen Inseln, wo man nichts von mir gehört hat und die meine Herrlichkeit nicht gesehen haben; und sie sollen meine Herrlichkeit unter den Völkern verkündigen."

Während dieser 1000 Jahre ist Satan gebunden.

Offb 20,2 "Und er ergriff den Drachen, die alte Schlange, das ist der Teufel und der Satan, und fesselte ihn für tausend Jahre,"

Doch nach seiner Freilassung verführt er noch einmal die Nationen.

Offb 20,8 "und wird ausziehen, zu verführen die Völker an den vier Enden der Erde, Gog und Magog, und sie zum Kampf zu versammeln; deren Zahl ist wie der Sand am Meer."

Auch die sichtbare Herrschaft Jesu Christi wird nicht genügen, um die Menschen zu verändern. So wird das Zeitalter des Tausendjährigen Reiches im Gericht über Satan und dem Untergang der Welt zu Ende gehen. Gleichzeitig wird die ewige Herrlichkeit - der neue Himmel und die neue Erde - beginnen.

 

ZUSAMMENFASSUNG:

Im Heilsplan Gottes ist das Handeln des Menschen völlig ausgeschlossen - nur Gott tut etwas. So ist auch die Rettung der Menschen, die nicht im Zeitalter der Gnade leben, nur möglich durch den Tod Jesu Christi.

Röm 3,25-26 "Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher begangen wurden in der Zeit seiner Geduld, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen, daß er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus."
Hebr 9,15 "Und darum ist er auch der Mittler des neuen Bundes, damit durch seinen Tod, der geschehen ist zur Erlösung von den Übertretungen unter dem ersten Bund, die Berufenen das verheißene ewige Erbe empfangen."

Damit gipfelt der Heilsplan Gottes in der Person Jesus Christus und Seinem Werk: dem Kreuz und der Auferstehung.

Joh 14,6 "Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich."
Apg 4,12 "Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden."
Hebr 13,8 "Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit."