VII. Kapitel: Die Himmelfahrt und Erhöhung Jesu Christi und ihre Bedeutung

 

Die Himmelfahrt und Erhöhung Jesu Christi können nicht voneinander getrennt werden. Sie sind Beschreibungen eines Geschehens, das von unterschiedlicher Perspektive aus berichtet wird. Die Himmelfahrt beschreibt das vom Menschen auf der Erde beobachtete Geschehen, während die Erhöhung Jesu Christi für den Menschen unsichtbar beim himmlischen Vater stattfand. Wir müssen also Himmelfahrt und Erhöhung, auch wenn wir sie getrennt behandeln, immer als Einheit betrachten.

 

1. Die Himmelfahrt Jesu Christi

 

a) Definition

Unter "Himmelfahrt" verstehen wir die Rückkehr des inkarnierten, gestorbenen und auferstandenen Jesus Christus in den Himmel. Dies geschah in Gestalt Seines Auferstehungsleibes und für die Jünger sichtbar. Die Himmelfahrt ist also der vom Menschen zu beobachtende Teil des Geschehens Himmelfahrt / Erhöhung. Sie markiert den Übergang Christi von der sichtbaren in die unsichtbare Welt!

Lk 24,51 "Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel."
Apg 1,9-10 "Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern."

 

ANREGUNG:

Apg 1,11 "Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen."

 

b) Zweck der Himmelfahrt Jesu Christi

In den Abschiedsreden Jesu (Joh 14-16) und dem Hebräerbrief finden wir Aussagen über den Zweck der Himmelfahrt.

 

(1) ein Heim zu bereiten

Joh 14,2-3 "In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin."

Er ging zum Vater, um unseren ewigen Aufenthalt vorzubereiten, der aber schon vorbereitet ist. Dieses Wissen erfüllt unsere Herzen mit Erwartung und Vorfreude.

Phil 3,20 "Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus,"

 

(2) den Heiligen Geist zu senden

Jesus Christus "fuhr gen Himmel", um uns den Heiligen Geist zu senden.

Joh 16,7 "Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, daß ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden."

 

(3) unser Vorläufer zu werden

Hebr 6,19-20 "Diese haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele, der auch hineinreicht bis in das Innere hinter dem Vorhang. Dahinein ist der Vorläufer für uns gegangen, Jesus, der ein Hoherpriester geworden ist in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks."

Der Herr Jesus hat uns den Weg gebahnt und uns die Stätte bereitet!

 

(4) uns vor Gott zu vertreten

Als auferstandener und aufgefahrener Herr tritt Jesus Christus im Himmel Seinen Dienst als Hoherpriester an.

Hebr 5,1 "Denn jeder Hohepriester, der von den Menschen genommen wird, der wird eingesetzt für die Menschen zum Dienst vor Gott, damit er Gaben und Opfer darbringe für die Sünden."
Hebr 9,24 "Denn Christus ist nicht eingegangen in das Heiligtum, das mit Händen gemacht und nur ein Abbild des wahren Heiligtums ist, sondern in den Himmel selbst, um jetzt für uns vor dem Angesicht Gottes zu erscheinen;"

Wir werden den Dienst unseres Hohenpriesters später noch genauer studieren.

 

2. Die Erhöhung Jesu Christi

 

a) Definition

Die Erhöhung ist jener Teil des Gesamtgeschehens Himmelfahrt / Erhöhung, der dem menschlichen Auge verborgen blieb. Unter der Erhöhung Christi verstehen wir den Akt des Vaters, durch den Er Seinen Sohn zu Seiner Rechten setzte. Diese Erhöhung fand im Himmel statt.

Apg 2,33 "Da er nun durch die rechte Hand Gottes erhöht ist und empfangen hat den verheißenen heiligen Geist vom Vater, hat er diesen ausgegossen, wie ihr hier seht und hört."
Phil 2,9 "Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist,"
Eph 1,20 "mit der er in Christus gewirkt hat. Durch sie hat er ihn von den Toten auferweckt und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel."

 

b) Bedeutung der Erhöhung Jesu Christi

 

(1) eingesetzt zum Haupt der Gemeinde

Eph 1,22-23 "Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt."

Ein Leib kann notfalls auf Glieder verzichten - nicht aber auf das Haupt. Wird der Leib von diesem getrennt, so ist er tot. Wahre Gemeinde findet sich also nur dort, wo der erhöhte Jesus Christus das Haupt ist. Im Leib kann aber nur ein Wille regieren - der Wille des Hauptes!

Wir sehen auch, wie das Haupt - Christus - Seinem Leib dient.

Eph 5,29 "Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehaßt; sondern er nährt und pflegt es, wie auch Christus die Gemeinde."
Kol 2,19 "und hält sich nicht an das Haupt, von dem her der ganze Leib durch Gelenke und Bänder gestützt und zusammengehalten wird und wächst durch Gottes Wirken."

Durch die Ausgießung des Heiligen Geistes kann Christus in den Gläubigen wohnen. Außerdem sind so der Gemeinde die Gaben gegeben (vgl. 1.Kor 12,4-11):

Eph 4,8+10-11 "Darum heißt es: 'Er ist aufgefahren zur Höhe und hat Gefangene mit sich geführt und hat den Menschen Gaben gegeben. [...] Und er hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer, damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden."

 

(2) erhöht über alles

Eph 1,20b-22a "... und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Und alles hat er unter seine Füße getan ..."
Phil 2,9 "Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist,"

Eine wunderbare (für die Seinen) und zugleich schreckliche (für die Gottlosen) Folge dieses "über alles" ist,

Phil 2,10-11 "daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters."

 

ANREGUNG:

Eph 1,19-20 "und wie überschwenglich groß seine Kraft an uns, die wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde, mit der er in Christus gewirkt hat. Durch sie hat er ihn von den Toten auferweckt und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel"

 

(3) gekrönt mit Preis und Ehre

Hebr 2,9 "Den aber, der 'eine kleine Zeit niedriger gewesen ist als die Engel', Jesus, sehen wir durch das Leiden des Todes 'gekrönt mit Preis und Ehre'; denn durch Gottes Gnade sollte er für alle den Tod schmecken."

Nach ca. 33 Erdenjahren kehrt Jesus Christus als Sieger von Golgatha zum Vater in den Himmel zurück. Gezeichnet mit den Wundmalen besteigt Er dort den Thron. Welcher Unterschied zur Erniedrigung in Seiner Erdenzeit! Wie war es damals?

Joh 1,11 "Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf."
Lk 2,7 "Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge."
Mt 8,20 "Jesus sagt zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege."
Hebr 13,12-13 "Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So laßt uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen."

Die Menschen krönten Ihn mit der Dornenkrone (Mt 27,28-30) - nun ist Er gekrönt mit "Preis und Ehre". Der himmlische Vater gab Ihm die Stellung, die Ihm gebührt.

Phil 2,9 "Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist,"
Ps 110,1 "Der Herr sprach zu meinem Herrn: 'Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache.'"

Wir lesen über 10x vom "Sitzen zur Rechten Gottes". Bis zur endgültigen Offenbarung Seines Sieges erfüllt Er dort Sein dreifaches Amt.

 

ANREGUNG:

Phil 3,10 "Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden,"
Eph 2,6 "und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus,"