IV.Kapitel: Die zwei Naturen Jesu Christi

 

Über der Inkarnation Jesu Christi liegt ein gewaltiges Geheimnis.

1.Tim 3,16 "Und groß ist, wie jedermann bekennen muß, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch,"

Jesus Christus wurde Mensch, ist aber Gott geblieben!

Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch - dieses Geheimnis bleibt

Wenn wir die Evangelien aufmerksam durchlesen, finden wir

"Gottes Sohn"
  • Mt 9x (1x von Jesus gebraucht)
  • Mk 4x (nie von Jesus gebraucht)
  • Lk 6x (nie von Jesus gebraucht)
  • Joh 11x (5x von Jesus gebraucht)
"Menschensohn"
  • Mt 32x (nur von Jesus gebraucht)
  • Mk 15x (nur von Jesus gebraucht)
  • Lk 26x (nur von Jesus gebraucht)
  • Joh 12x (10x von Jesus gebraucht)

Daraus schließen wir, daß sich Jesus Christus einerseits bewußt als Menschensohn, andererseits im Johannesevangelium bewußt als Gottessohn offenbarte.

Wir können Jesus Christus als den Gott-Mensch nicht beweisen, nur aufgrund der Schrift bezeugen. Oft haben Menschen versucht, Antwort auf die zentrale Frage des Glaubens zu geben, die der Herr Jesus schon den Pharisäern stellte:

Mt 22,42a "Was denkt ihr von dem Christus? Wessen Sohn ist er?"

Petrus beantwortet sie in seinem Bekenntnis:

Mt 16,16 "Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!"

Der Herr Jesus versichert ihm dann, daß ihm dieses Geheimnis nur durch Gottesoffenbarung zuteil wurde und daß dieses Bekenntnis das Fundament ist, auf dem Seine Gemeinde ruht.

In der Versuchung Jesu (Mt 4) versuchte der Teufel, Jesus Christus zum Beweis Seiner Gottessohnschaft herauszufordern - ohne Erfolg. Jesus gab nur einen Erweis: bei der Ankündigung Seiner Auferstehung:

Mt 12,40 "Und er antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein."
Joh 2,19 "Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn aufrichten."

Die Auferstehung ist das Zeichen der Gottessohnschaft Jesu Christi.

Röm 1,4 "und nach dem Geist, der heiligt, eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft durch die Auferstehung von den Toten."

Die Frage nach dem Christus ist aber "heilsentscheidend". Von ihrer Antwort hängt unsere ewige Errettung ab. Nur wenn Christus gleichzeitig Gott und Mensch ist und als solcher am Kreuz auf Golgatha starb, hat Sein Tod für uns Bedeutung.

Es ist daher nicht verwunderlich, daß diese Offenbarung Gottes in der Heiligen Schrift Schlüssel zum Prüfen von Geistern ist (1.Joh 4,1-3), aber Satan immer wieder versucht, sie in Zweifel zu ziehen.

 

1. Die göttliche Natur

Wir sahen bereits im II. Kapitel unseres Studiums die Präexistenz Jesu Christi. Sie ist Beweis Seiner göttlichen Natur. Doch finden wir noch weitere Belege in Seinem Anspruch, Seinen Namen und Titel, den Eigenschaften und Werken, die Ihm zugeschrieben werden, und nicht zuletzt darin, daß Er Anbetung annimmt.

 

a) Sein Anspruch

Jesus Christus bezeugt Seine Gottheit. Die wohl deutlichste Stelle ist:

Joh 10,30 "Ich und der Vater sind eins."

Er ist der Natur nach vollkommen dem Vater gleich. Die Juden verstanden diesen Anspruch Jesu und wollten Ihn wegen vermeintlicher Gotteslästerung steinigen (V. 33).

Doch auch bei anderen Gelegenheiten begegnet uns der Anspruch des Herrn:

Joh 5,18 "Darum trachteten die Juden noch viel mehr danach, ihn zu töten, weil er nicht allein den Sabbat brach, sondern auch sagte, Gott sei sein Vater, und machte sich selbst Gott gleich."
Joh 14,9 "Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch, und du kennst mich nicht, Philippus? Wer mich sieht, der sieht den Vater! Wie sprichst du dann: Zeige uns den Vater?"
Joh 17,11b "erhalte sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, daß sie eins seien wie wir."

 

ANREGUNG:

Jesus Christus beansprucht eine dreifache Gleichheit mit Gott:

 

b) Namen und Titel

 

(1) Sohn Gottes

Obwohl der Herr Jesus "Sohn Gottes" selten von sich selbst gebraucht, ist dies ein weiterer Beleg Seiner Gottheit.

Joh 10,36 "wie sagt ihr dann zu dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat: Du lästerst Gott -, weil ich sage: Ich bin Gottes Sohn"
Mt 26,63-64a "Aber Jesus schwieg still. Und der Hohepriester sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes. Jesus spricht zu ihm: Du sagst es."

Die Juden verstanden die Selbstbezeichnung Christi als "Sohn Gottes" richtigerweise als Anspruch, Gott zu sein.

 

(2) Gott

1.Joh 5,20 "Wir wissen aber, daß der Sohn Gottes gekommen ist und uns den Sinn dafür gegeben hat, daß wir den Wahrhaftigen erkennen. Und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben."

An vielen Stellen der Heiligen Schrift wird Jesus Christus eindeutig als Gott bezeichnet.

Joh 1,1 "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort."
Röm 9,5 "denen auch die Väter gehören, und aus denen Christus herkommt nach dem Fleisch, der da ist Gott über alles, gelobt in Ewigkeit. Amen."
Joh 1,18 "Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt."
Joh 20,28 "Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!"
Tit 2,10b+13 "damit sie der Lehre Gottes, unseres Heilands, Ehre machen in allen Stücken. [...] und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilandes Jesus Christus"

 

(3) Jahwe

Die Gottheit Jesu Christi wird auch da deutlich, wo das Neue Testament alttestamentliche Stellen über Jahwe auf Ihn bezieht. Wir müssen jedoch bedenken, daß die griechische Übersetzung (LXX) überall Jahwe durch "Herr" ersetzt hatte. Dies folgte der Sitte der Juden und sollte einen Mißbrauch des Namens Gottes ausschließen.

Hebr 1,8a+10 "aber von dem Sohn: 'Gott, dein Thron währt von Ewigkeit zu Ewigkeit, [...]' Und: 'Du, Herr, hast am Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind deiner Hände Werk."

Einige dieser Belege werden deutlicher, wenn wir die NT-Verse mit den angesprochenen AT-Versen vergleichen:

Lk 1,76b "Denn du wirst dem Herrn vorangehen, daß du seinen Weg bereitest."
Mal 3,1 "Siehe, ich will meinen Boten senden, der vor mir her den Weg bereiten soll. [...] spricht der Herr Zebaoth."
Mt 3,3 "Denn dieser ist's, von dem der Prophet Jesaja gesprochen und gesagt hat: 'Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg und macht eben seine Steige!"
Jes 40,3 "Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem Herrn den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserem Gott!"
Joh 12,41 "Das hat Jesaja gesagt, weil er seine Herrlichkeit sah und redete von ihm."
Jes 6,1+5 "In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron, und sein Saum füllte den Tempel. [...] Da sprach ich: Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den Herrn Zebaoth, gesehen mit meinen Augen."
Röm 10,13 "Denn wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden."
Joel 3,5 "Und es soll geschehen: wer des Herrn Namen anrufen wird, der soll gerettet werden."

Der Jahwe des AT ist der Christus des NT! Diese Botschaft verkündigten bereits die Engel den Hirten:

Lk 2,11 "denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids."

Sie ist bis heute Zentrum unseres Glaubens:

Röm 10,9 "Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, daß Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, daß ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet."

 

(4) Christus

"Christus" ist der Herrlichkeitstitel Jesu. Der Begriff "Christus" ist die griechische Entsprechung zum hebräischen maschiach und dem aramäischen meschicha (in das Griechische übernommen als Messias).

Joh 4,25 "Spricht die Frau zu ihm: Ich weiß, daß der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen."

Christus bedeutet, genau wie Messias, "der Gesalbte":

Joh 1,41b "Wir haben den Messias gefunden, das heißt übersetzt: der Gesalbte."

Er ist das Urbild und die Erfüllung jeder Salbung zur Amtseinsetzung im AT. Gesalbt wurden Priester, Propheten und Könige. Nennen wir unseren Heiland, Jesus Christus, so bekennen wir, daß Jesus von Nazareth der "Christus" ist - Gottes Sohn.

 

(5) Andere

Jesus Christus wird auch noch mit anderen Namen benannt, die jedoch nur für Gott passend sind - ein weiterer Beleg für die göttliche Natur Jesu Christi. Wenden wir einen solchen Namen auf einen Menschen an, so wird sich dieser als unwürdig erweisen. Beispielhaft seien erwähnt:

Offb 19,16 "und trägt einen Namen geschrieben auf seinem Gewand und auf seiner Hüfte: König aller Könige und Herr aller Herren."
Apg 3,14 "Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und darum gebeten, daß man euch den Mörder schenke,"

 

ANREGUNG:

 

c) Eigenschaften

Jesus Christus besitzt die Eigenschaften Gottes:

Allmacht

Mt 28,18 "Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden."
Offb 1,8 "Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige."

Allgegenwart

Mt 28,20b "Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende."

Allwissenheit

Mt 9,4 "Als aber Jesus ihre Gedanken sah, sprach er: Warum denkt ihr so Böses in euren Herzen?"
Joh 2,24-25 "Aber Jesus vertraute sich ihnen nicht an; denn er kannte sie alle und bedurfte nicht, daß ihm jemand Zeugnis gab vom Menschen; denn er wußte, was im Menschen war."
Kol 2,3 "in welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis."

Ewigkeit

Joh 1,1 "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort."
Joh 8,58 "Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham wurde, bin ich."

Heiligkeit

Hebr 7,26 "Denn einen solchen Hohenpriester mußten wir auch haben, der heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern geschieden und höher ist als der Himmel."
Lk 1,35 "darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden."

Wahrheit

Joh 14,6 "Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich."

Unveränderlichkeit

Hebr 13,8 "Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit."

Leben

Joh 14,6 "Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich."
Joh 1,4 "In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen."

Liebe als Eigenschaft Gottes wird bei Jesus Christus ganz besonders deutlich. Er liebt den Vater und lebt daher in vollkommener Hingabe und Gehorsam. Liebe und Gehorsam gehören untrennbar zusammen (vgl. auch Joh 14,23).

Joh 14,31 "aber die Welt soll erkennen, daß ich den Vater liebe und tue, wie mir der Vater geboten hat."

Jesus Christus liebt auch uns Menschen!

Eph 5,2 "und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch."
1.Joh 3,16 "Daran haben wir die Liebe erkannt, daß er sein Leben für uns gelassen hat; und wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen."
Joh 15,12-13 "Das ist mein Gebot, daß ihr euch untereinander liebet, wie ich euch liebe. Niemand hat größere Liebe als die, daß er sein Leben läßt für seine Freunde."

Diese Liebe ist bedingungslos. Er liebte uns schon in unserem sündigen, verlorenen Zustand.

Röm 5,8+10b "Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. [...] als wir noch Feinde waren,"

 

ANREGUNG:

 

d) Werke

Werke, die nur Gott tun kann, werden unserem Herrn Jesus zugeschrieben:

Schöpfung

Joh 1,3 "Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist."
Kol 1,16 "Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen."

Erhaltung

Kol 1,17 "Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm."
Hebr 1,3 "Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den Sünden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe"

Gericht

Joh 5,22+27-29 "Denn der Vater richtet niemand, sondern hat alles Gericht dem Sohn übergeben, [...] und er hat ihm Vollmacht gegeben, das Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist. Wundert euch darüber nicht. Denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden, und werden hervorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichts."

Vergebung

Mk 2,5+7+10 "Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. [...] Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? [...] Damit ihr aber wißt, daß der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden - sprach er zu dem Gelähmten:"

 

e) Anbetung

Anbetung gebührt nur Gott! Daher widersteht der Herr Jesus auch der Versuchung des Satans:

Mt 4,9-10 "und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir Satan! denn es steht geschrieben: 'Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen."

Es wäre undenkbar, daß Christus Anbetung annehmen würde, stünde sie Ihm nicht zu (vgl. Offb 19,10; 22,9). Doch um eine solche Anbetung handelt es sich nach der Stillung des Sturmes:

Mt 14,33 "Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!"

Selbst die Engel Gottes werden aufgefordert, Ihn anzubeten:

Hebr 1,6 "Und wenn er den Erstgeborenen wieder einführt in die Welt, spricht er: 'Und es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten."

Für uns ist die Anbetung des Sohnes selbstverständlich:

Joh 5,23 "damit sie alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat."

Eines Tages werden alle Ihn anbeten:

Phil 2,10-11 "daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters."

 

ANREGUNGEN:

Mt 28,19 "Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes."
2.Kor 13,13 "Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen!"

 

2. Die menschliche Natur

Die Heilige Schrift lehrt die menschliche Natur Jesu Christi. Er war kein göttliches Scheinwesen, sondern "richtiger" Mensch. Er mußte Mensch sein, um sterben zu können. Ohne Seine menschliche Natur hätte Sein Kommen in diese Welt nichts verändert.

Hebr 2,17 "Daher mußte er in allem seinen Brüdern gleich werden, damit er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor Gott, zu sühnen die Sünden des Volkes."

 

a) Name

In der Ankündigung der Geburt erhält Joseph den Auftrag, das Kind "Jesus" zu nennen.

Mt 1,21a "dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden."

Jesus ist der Name des menschgewordenen Sohnes Gottes im NT. In ihm wird alles zusammengefaßt:

Phil 2,9-10 "Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind."
Apg 4,12 "Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden."

 

ANREGUNG:

Hebr 2,9 "den aber, der 'eine kleine Zeit niedriger gewesen ist als die Engel', Jesus, sehen wir durch das Leiden des Todes 'gekrönt mit Preis und Ehre'; denn durch Gottes Gnade sollte er für alle den Tod schmecken."

Daher wollen wir unseren erhöhten Herrn auch als "Herr Jesus" oder "Jesus Christus" ansprechen. Nicht der Zimmermann steht vor uns - sondern der erhöhte Menschensohn, unser Erlöser und Heiland (2.Kor 5,16).

 

b) Geburt

Jesus Christus wurde von einer Frau geboren.

Gal 4,4 "Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan,"

Die von der Bibel bezeugte Jungfrauengeburt Christi haben wir bereits betrachtet.

Er hatte einen menschlichen Stammbaum:

Röm 1,3 "von seinem Sohn Jesus Christus, unserm Herrn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch,"

 

c) Entwicklung

Der Herr Jesus konnte als Sohn Gottes sagen: "Ich bin!". Als Mensch war Er jedoch dem Wachstum und der Entwicklung unterworfen.

Lk 2,40+52 "Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm. [...] Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen."

Er mußte auch lernen, jedoch tat Er dies nicht durch Fehler und Strafe, sondern von Gehorsam zu Gehorsam:

Hebr 5,8 "Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel!"

 

d) Wesen

Aus dem Studium der Offenbarung Gottes über den Menschen (Anthropologie) kennen wir die drei Funktionselemente des Menschen: Geist, Seele und Leib.

Wir lesen vom Geist Jesu Christi:

Mk 8,12a "Und er seufzte in seinem Geist und sprach: Was fordert doch dieses Geschlecht ein Zeichen?"
Lk 23,46a "Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!"
Joh 13,21 "Als Jesus das gesagt hatte, wurde er betrübt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten."

Die Seele Jesu Christi wird erwähnt in

Joh 12,27a "Jetzt ist meine Seele betrübt."
Mt 26,38 "Da sprach Jesus: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wacht mit mir!"

Auch der Leib Jesu Christi wird ausdrücklich erwähnt.

Joh 2,21 "Er aber redete von dem Tempel seines Leibes."
Hebr 2,14 "Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hat auch er's gleichermaßen angenommen, damit er durch seinen Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel,"
Hebr 10,5+10 "Darum spricht er, wenn er in die Welt kommt: 'Opfer und Gaben hast du nicht gewollt; einen Leib aber hast du mir geschaffen. [...] Nach diesem Willen sind wir geheiligt ein für allemal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi."

Das Wesen der menschlichen Natur Jesu Christi ist auch nach Seiner Auferstehung noch vorhanden.

Lk 24,39 "Seht meine Hände und meine Füße, ich bin's selber. Faßt mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, daß ich sie habe."

 

e) "Schwachheiten"

In Seinem Leben auf dieser Erde hatte der Herr Jesus die gleichen menschlichen Bedürfnisse und Einschränkungen wie wir.

Müdigkeit

Joh 4,6 "Es war aber dort Jakobs Brunnen. Weil nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich am Brunnen nieder; es war um die sechste Stunde."

Hunger

Mt 4,2 "Und da er vierzig Tage und Nächte gefastet hatte, hungerte ihn."

Durst

Joh 19,28 "Danach, als Jesus wußte, daß schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet."

Trauer

Joh 11,35 "Und Jesus gingen die Augen über."

Schlaf

Mt 8,24 "Und siehe, da erhob sich ein gewaltiger Sturm auf dem See, so daß auch das Boot von Wellen zugedeckt wurde. Er aber schlief."

Versuchung

Hebr 4,15 "Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mitleiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde."

Ein typisch menschliches Bedürfnis ist das Beten. Es ist Ausdruck der Abhängigkeit und Hilfsbedürftigkeit. An 25 verschiedenen Stellen berichtet das NT vom Gebet Jesu Christi.

Hebr 5,7 "Und er hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tod erretten konnte; und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt."

Jesus Christus betete nicht nur, um ein Vorbild zu sein, sondern weil Er zu den Menschen gehörte, von denen Gott Gebet erwartet. Sein Gebet war keine Schau, kein äußerliches Getue, sondern Er betete, weil Er es nötig hatte. Hier schöpfte Er Kraft und Mut für die schweren Prüfungen, vor denen Er stand.

 

f) Leiden und Sterben

Als Mensch war Er fähig, zu leiden und zu sterben.

Lk 22,44 "Und er rang mit dem Tode und betete heftiger. Und sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die auf die Erde fallen."
Hebr 5,8 "So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt."
Joh 19,30 "Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied."

Dieses Sterben Jesu Christi war eine freiwillige Dahingabe Seines Lebens.

Joh 10,18 "Niemand nimmt es von mir, sondern ich selbst lasse es. Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wiederzunehmen. Dies Gebot habe ich empfangen von meinem Vater."
Hebr 9,14 "um wieviel mehr wird dann das Blut Christi, der sich selbst als Opfer ohne Fehl durch den ewigen Geist Gott dargebracht hat,"

 

g) Bezeichnung als Mensch

Jesus Christus hat sich selbst Mensch genannt und wurde auch von anderen so bezeichnet.

Joh 8,40 "Nun aber sucht ihr mich zu töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit gesagt hat, wie ich sie von Gott gehört habe. Das hat Abraham nicht getan."
Apg 2,22 "diesen Mann, der durch Gottes Ratschluß und Vorsehung dahingegeben war, habt ihr durch die Hand der Heiden ans Kreuz geschlagen und umgebracht."
1.Kor 15,21 "Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten."
1.Tim 2,5 "Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Jesus Christus."

 

3. Die Einheit der Person

Das Zu- und Miteinander der göttlichen und menschlichen Natur Jesu Christi gehört wohl zu den schwierigsten theologischen Aussagen für den menschlichen Verstand. Wir sind allein auf die göttliche Offenbarung in der Bibel angewiesen.

Nirgends lehrt die Bibel eine abstrakte Vereinigung der göttlichen Natur mit der menschlichen.

Röm 1,3-4 "von seinem Sohn Jesus Christus, unserm Herrn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch, und nach dem Geist, der heiligt, eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft durch die Auferstehung von den Toten."
Röm 8,3 "Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott: er sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch,"
1.Joh 4,2 "Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeder Geist, der bekennt, daß Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott."

Jesus Christus ist so Gott, als ob Er einzig und allein nur Gott wäre; Er wurde aber auch so Mensch, als ob Er einzig und allein nur Mensch wäre.

Das Wesen jeder Natur blieb bei der Vereinigung beider Naturen unverändert, d.h. die beiden Naturen sind nicht miteinander verschmolzen. Die Natur Christi war eine göttliche und eine menschliche. Er war der Gott-Mensch, hatte aber keine gottmenschliche (theanthropische) Natur. Trotz Seiner zwei Naturen ist die Persönlichkeit Jesu Christi unteilbar. Auch heute vereinigt Jesus Christus diese beiden Naturen in sich.

Wir müssen erkennen, daß nur in der Vereinigung der göttlichen und der menschlichen Natur in der Person Jesu Christi die Erlösung möglich war. Wir wollen im Glauben daran festhalten, auch wenn wir mit unserem (begrenzten) Verstand vieles nicht begreifen können.

Ps 49,8-9+16a "Kann doch keiner einen andern auslösen oder für ihn an Gott ein Sühnegeld geben - denn es kostet zuviel, ihr Leben auszulösen; er muß davon abstehen ewiglich - [...] Aber Gott wird mich erlösen"

Die Einheit der Person Jesu Christi (oder auch: die hypostatische Union, d.h. hier: personale Einheit) wird darin sichtbar, daß die Heilige Schrift von Ihm immer nur in der Einzahl spricht, die Befähigung Christi durch die beiden Naturen aufzeigt und die Eigenschaften der einen Natur Seiner Person unter Benennung der anderen zugeschrieben wird.

 

a) in der Bezeichnung

Die Heilige Schrift spricht von Christus in der Einzahl. Wann immer Er sprach, war es nicht eine der beiden Naturen, sondern die Person, in der beide Naturen vereinigt sind.

Joh 17,23 "ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, daß du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst."

 

b) in der Befähigung

Die Person Jesus Christus wurde durch die beiden Naturen befähigt. Zum einen befähigte die göttliche Natur die Person Jesu so, daß der Mensch Jesus fähig wurde zu wissen und zu tun, was göttlich ist.

Mt 17,2 "Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht."
Mk 5,41 "und ergriff das Kind bei der Hand und sprach zu ihm: Talita kum! - das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf!"

Auf der anderen Seite befähigte die menschliche Natur die Person Jesu so, daß der "Gottessohn" sterben konnte. Er starb - aber nicht die göttliche Natur!

Mk 15,39 "Der Hauptmann aber, der dabeistand, ihm gegenüber, und sah, daß er so verschied, sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!"

 

c) in den Eigenschaften

Jede Natur Jesu Christi besitzt eigene Eigenschaften. Der Person Jesu werden die Eigenschaften der einen Natur, obwohl die andere Natur genannt wird, zugeschrieben - ein klarer Beleg für die Einheit der Person Jesu Christi.

1.Kor 2,8 "die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt."
Joh 3,13 "Und niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn."
Joh 6,62 "Wie, wenn ihr nun sehen werdet den Menschensohn auffahren dahin, wo er zuvor war?"
Röm 9,5 "denen auch die Väter gehören, und aus denen Christus herkommt nach dem Fleisch, der da ist Gott über alles, gelobt in Ewigkeit. Amen."
Hebr 1,3 "Er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den Sünden und hat sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe"

 

ANREGUNG:

 

Diese Erniedrigung darf aber nicht verkürzt gesehen werden - etwa, daß man sie begrenzt auf das Verlassen der Herrlichkeit beim Vater -, sondern muß auf die gesamte Menschwerdung angewandt werden.

Zusammengefaßt beinhaltet die Erniedrigung Jesu Christi:

Joh 17,5 "Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war."
Mt 13,55 "Ist er nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria? und seine Brüder Jakobus und Josef und Simon und Judas?"

 

Phil 2,6-7 "Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt."

 

Mt 26,53 "Oder meinst du, ich könnte meinen Vater nicht bitten, daß er mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schickte?"

Das bedeutet: Jesus Christus verzichtete auf den unabhängigen Gebrauch der göttlichen Natur Seiner Person.

Mt 26,39 "Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!"
Joh 4,34 "Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist die, daß ich tue den Willen dessen, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk."