I. Kapitel: Einführung

Wenn wir die Bibel in der Hand halten, haben wir den kostbarsten Schatz dieser Welt vor uns. Und dennoch sind wir arm, wenn dieser Reichtum, das geschriebene Wort Gottes, nicht in unseren Herzen lebt! Bedenken wir, daß heute noch Millionen Menschen auf dieser Erde keinen Vers dieses Schatzes in ihrer Sprache besitzen! Bedenken wir ferner, daß fast die Hälfte der jetzt lebenden Menschheit die lebendigmachende Botschaft noch nie richtig gehört hat!

Röm 10,14+17 "Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? ... So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi!"

Über das Wort Gottes haben viele Menschen gespottet; noch mehr haben es verachtet. Aber sie alle sind vergangen und vergessen. Nur von der Bibel ist kein Vers vergangen - und wird auch nicht vergehen (Mt 24,35)!

Jes 40,8 "Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich!" (1.Petr 1,25)

Die Bibel ist

 

Unverändert und unveränderlich hat die Bibel die Jahrhunderte überlebt und kümmert sich nicht um Lob oder Tadel. Sie bequemt sich auch nicht zum Fortschritt; sie nimmt niemals ein Wort zurück; vor ihr sind alle Menschen gleich.

Gewaltig, aber doch einfach, fängt die Bibel an. Sie hat kein Vorwort; sie beruft sich nicht auf menschliche Autoritäten oder Empfehlungen; sie kennt keine Sagen der Völker; sie will nichts beweisen; sie will schlicht und einfach als Gottes Wort zu uns reden. Und wie Vieles hat sie schon bewirkt! Obwohl es ewig dasselbe Wort bleibt, wirkt es an jedem Menschen auf ganz persönliche, einzigartige Weise. Die Bibel hat sich bewährt sowohl an ihren Freunden als auch an ihren Feinden als eine Kraft Gottes, die da selig macht oder verdammt.

Oft wird von "Vollmacht" oder auch "Geistesfülle" u.ä. gesprochen und dabei die einzige Kraftquelle, die Gott uns anbietet, die Bibel, vernachlässigt. Oft, wenn über "Kraft" geschrieben und gesprochen wird, ist dieser Mangel festzustellen. Viele Gläubige fiebern nach einer "Erfahrung", die dann nur zu leicht über das Wort Gottes gestellt wird.

Eine "Erfahrungstheologie" ist zwar auch der Bibel nicht fremd. Der auferstandene Herr Jesus erscheint Seinen Jüngern und gibt ihnen wirkliche, sichtbare Belege Seines Auferstehungsleibes (Lk 24,36-43). Doch was wäre diese einmalige Erfahrung ohne den Schatz der Schrifttheologie, die Er selbst den Jüngern gleich im Anschluß daran anbietet (Lk 24,44-48)? Sie ist nicht in gleicher Weise den Schwankungen des Gefühls und des Zweifels ausgesetzt, im Gegenteil, sie kann immer wieder nachgeschlagen und gelesen werden. Wahre Schrifttheologie hat aber auch Voraussetzungen:

Lk 24,45 "Da öffnete er ihnen das Verständnis, so daß sie die Schrift verstanden,..."
Joh 14, 21 "Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist's, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren."

Die Bibel als geschriebenes Wort Gottes hat also eine Vorrangstellung.

Dazu sagt Dr. Torrey:

"Wo die Bibel vernachlässigt wird, gibt es keine Fülle der Kraft im Leben und Dienst. Das Wirken des Heiligen Geistes wird groß hingestellt, aber das Werkzeug, durch das ER wirkt, wird weithin vergessen. Die Folge davon ist eine nur vorübergehende Begeisterung und Aktivität."

Wenn unser Leben und Dienst voll Kraft werden soll, müssen wir uns vom Worte Gottes stärken lassen. Darum heißt es:

Kol 3,16 "Laßt das Wort Gottes reichlich unter euch wohnen"

Vielleicht kennen Sie die Bibel nicht, oder nur wenig. Die Bibel aber kennt Sie ganz genau (Hebr 4,12-13)! Wollen wir in der Bibel studieren, so gilt: "Man muß zuerst an die Bibel glauben, um sie zu verstehen, und nicht sie verstehen wollen, um erst dann an sie zu glauben!" (Bettex)

Was macht uns die Bibel so wertvoll? Worin besteht ihr Wert? Wir antworten:

 

1. Die Bibel ist eine Gottesoffenbarung

Was verstehen wir unter "Gottesoffenbarung"? Gottesoffenbarung bedeutet, daß Gott sich selbst "enthüllt", sich öffnet, uns in Sein Wesen, Seine Eigenschaften und Seinen Willen hineinschauen läßt. Nach dem Fall des Menschen kann kein Mensch von sich aus Zugang zu Gott finden. Gott muß den ersten Schritt tun, die Mauer zwischen Ihm und uns durchbrechen. Offenbarung heißt: Gott teilt sich uns mit.

Hebr 1,1-2 Gott hat geredet durch die Propheten
Gott hat geredet durch
den Sohn

Außer Seinem geschriebenen Wort haben wir noch andere Gottesoffenbarungen:

Röm 1,19-21 die Natur
1.Tim 3,16 Jesus Christus

Wie wichtig ist uns ein Brief eines lieben Menschen! Nun hat Gott, der uns so sehr liebt, daß Er Seinen Sohn für uns hingab, zu uns gesprochen. Er hat Seine Rede niederschreiben lassen, damit wir sie immer und immer wieder lesen können. Wie gehen wir damit um? Ohne Sein geschriebenes Wort - was würden wir von Ihm wissen?

 

2. Die Bibel ist eine Herausforderung an den Menschen

Viele Menschen lehnen die Bibel ab. Eigentlich lehnen sie nicht die Bibel ab, denn sie kennen sie oft gar nicht; aber sie lehnen die Form ab, in der ihnen die Bibel nahegebracht wurde oder wird. Jeder, der mit der Bibel in Berührung kommt, wird von ihr in Frage gestellt. Sie fordert jeden zu einer Stellungnahme heraus. Der Mensch hat die Freiheit, Gottes Wort - und damit Gott - anzunehmen oder auch abzulehnen. Denen, die es ablehnen, ist die Tragweite ihrer Entscheidung meist unbekannt. Bedenken wir doch, was es bedeutet: Gott ablehnen!

Der Mensch kann "ja" sagen zum Wort Gottes, eingehen auf das, was Gott sagt, also Ihn annehmen.

Joh 5,24 "Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat..."

Diese positive Reaktion des Menschen auf das Wort Gottes nennt die Bibel Glaube.

Glauben heißt: "ja" sagen zu Gottes Wort, es annehmen - Ihn selbst annehmen; aber nicht als bloßer Bejahungsglaube! Es geht auch nicht nur um ein einmaliges (erstmaliges) "Ja", sondern um eine ständige "Ja-Haltung" zu Gottes Wort, also zu Gott selbst. Ein Gläubiger sein, also im Glauben leben, heißt demnach: sich der ständigen Herausforderung des Wortes Gottes stellen, ja, sich Gott und Seinem Wort unterstellen. Deshalb gibt unser Verhältnis zum Wort - zur Bibel - Auskunft über unser Verhältnis zu Gott.

Röm 10,17 "So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi!"

Gott agiert - wie reagiert der Mensch?

 

3. Die Bibel ist das Fundament unseres Glaubens

Unser Leib hat fünf Sinne: sehen, riechen, schmecken, hören und tasten. Keiner dieser Sinne heißt "glauben".

Unsere Seele hat drei Funktionen: denken, fühlen und wollen. Keine dieser Funktionen heißt "glauben". Wo finden wir dann den "Glauben"?

Rö 10,9-10 "... und in deinem Herzen glaubst,..."

Mit "Herz" ist das Zentrum gemeint, das Innerste des Menschen, oft auch Geist genannt. Glaube ist also eine Funktion des Geistes, oder anders ausgedrückt, des Herzens.

Die Entstehung des Glaubens ist auf der einen Seite Wirken Gottes durch sein Wort und andererseits positive Reaktion des Menschen auf Gottes Wort. Der Glaube stützt sich dabei immer auf das Wort (vgl. auch Hebr 11):

Joh 4,50 "Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin."

 

ANREGUNGEN: